Mutationen
»Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, die S[indarin]-Lenierungen in den ohnehin schon überladenen Anhängen zu erklären, denn ich befürchtete, sie würden überblättert oder als unverständlich oder ermüdend empfunden werden«, schreibt Tolkien in einem Brief von 1972 (Briefe, Nr. 314).
Er mag Recht gehabt haben, aber zu bedauern ist es trotzdem. Mutationen (Anlautveränderungen) kennt man aus den keltischen Sprachen, etwa dem Walisischen, dem Sindarin in mancher Hinsicht angeglichen ist. Tolkien übernimmt aber, wie immer, nicht einfach die vorgegebenen Elemente oder Strukturen einer Sprache, sondern setzt sie auf andere Weise um – eben wie er es schön findet.
Tolkiens Unterlagen zur Sindarin-Grammatik aus den 30er-Jahren sind derzeit noch nicht veröffentlicht. Der einzige konkrete Hinweis findet sich in einem Text zur frühen Noldorin-Grammatik, der weitgehend aus der Zeit vor 1925 stammt. Dort spricht er von drei Arten von Mutationen: (a) weich, (b) hart und (c) nasal. Zur Erklärung heißt es:
»(a) wird hervorgerufen durch ein eng verbundenes Wort, das auf einen Vokal endet: der Konsonant nimmt dann die Form an, die er medial [d. h. im Wortinnern] haben sollte;
(b) durch Gemination [d. h. Verdoppelung] eines ursprünglichen Anfangskonsonanten, hervorgerufen durch das Vorangehen eines eng verbundenen Wortes, das auf einen Verschlusslaut (engl. “stop”) endet;
(c) Nasal hervorgerufen durch einen vorangehenden Nasal.« (PE 13:120)
Letztlich beruhen alle Mutationen darauf, das zwei Wörter als Einheit angesehen und wie ein einziges Wort ausgesprochen werden; dieses Grundprinzip sollte man sich immer vor Augen halten.
Im Folgenden sind hier die Mutationen nach den Grundtypen »grammatisch«, »phonologisch« und »gemischt« aufgeschlüsselt, um die Sache übersichtlicher zu gestalten.
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