Personalpronomen

Eine Lösung für im

Das Sindarin-Element im kommt im »Herrn der Ringe« zweimal vor, zum einen in der Inschrift auf dem Tor von Moria:

    Im Narvi hain echant
    »Ich Narvi machte sie«

und zum anderen in Gilraens verzweifeltem linnod über ihren Sohn Estel (Aragorn) im Anhang A:

    ú-chebin estel anim
    »ich behielt keine Hoffnung für mich«

In einer Notiz aus dem Jahre 1969 (VT 47:37), im Zusammenhang mit Überlegungen zum Reflexivpronomen, schlägt Tolkien hierfür eine Lösung vor, wonach im nicht »ich« oder »mich« bedeutet, sondern »(eben)selbst« und ein »allgemeiner Reflexiv« ist. In einer weiteren Anmerkung auf derselben Seite, wenngleich mit einem anderen Stift geschrieben, führt er aus:

»Aber im Narvi hain echant kann nicht = ›ich Narvi‹ [sein], da [das] Verb 3. Pers. ist. Es muss bedeuten: ›Es war Narvi selbst (d. h. es war wahrhaftig Narvi), der sie machte‹. Narvi muss ein sehr berühmter Handwerker der Zwerge vor Durins Tod und dem Auftreten des Balrog sein.« (VT 47:38)

Aber es scheint, dass dies in der Tat eine spätere Interpretation Tolkiens ist und dass zur Zeit des »Herrn der Ringe« im zweifellos als »ein emphatischer separater Nominativ der 1. Person Singular, ich, ich selbst« (ebda.) verstanden wurde.

Dennoch ist es eine elegante Lösung für ein vertracktes Problem.

 

Personalpronomen

Wenn man die Revision des Pronominalsystems im Quenya auf das Sindarin überträgt, ließen sich folgende Formen des Personalpronomens für das Sindarin ableiten (bei allen Vorbehalten, dass solche Entwürfe immer höchst spekulativ und offen für Kritik sind):

 

Personalpronomen (neu)

 

 

Nom.

Poss.

[mut.]

Dat.

Akk.

[mut.]

1. Pers. Sg.

-n

ni (im)

nîn

nîn

enni

nin

nin

2. Pers. Sg. fam.

-ch

ce

cîn

gîn
(?chîn)

achen

cen

gen
(?chen)

2. Pers. form.

-l

le

lîn

lîn

allen
(?le)

len
(?le)

len
(?le)

3. Pers. Sg.

-s

te (e)

tîn

dîn

athen

ten

den

3. Pers. Sg. refl.

-

e

în

în

enin

in

in

1. Pers. Pl.

-m

men

mîn

vîn

ammen

mín
(
?men)

vín
(?ven)

2. Pers. Pl.

-d

de

dîn

dhîn

anen

den

dhen

3. Pers. Pl.

-t

ti

tîn

dîn

ethin

tin

din

Nur die blau markierten Formen sind belegt.

Insbesondere über die 2. Person wissen wir wenig. Die Form le in le linnathon (HR) ist ein Lehnwort aus dem Quenya und untypisch in der Formenbildung. Möglicherweise wurde diese höfliche Form generell aus dem Quenya übernommen, sodass sie auch im Akkusativ und Dativ gleich lautet.

Die Possessivformen sind mit unterschiedlichen Längen belegt, sowohl mit Zirkumflex (besonders lang) als auch mit Akzent (lang) und ohne Akzent (kurz). Ob es dabei Bedeutungsunterschiede gibt, ist strittig. Tolkien war auch in seiner Schreibung nicht immer konsequent. Darum habe ich hier zu Zirkumflex vereinheitlicht, wie bei langen einsilbigen Wörtern im Sindarin üblich. Möglich ist, dass bei einer Form mit Artikel wie in i eneth lín (VT 44:21, 24f.) die Schreibung generell mit einfachem Akzent erfolgt.

Da die Mutation d > dh als unschön empfunden wurde, sind die mutierten Formen der 2. Pers. Pl. möglicherweise Gen. ?dîn, Akk. ?den.

 

In die Tabelle sind einige Angaben aus David Salo, A Gateway to Sindarin (2004), S. 105 ff., eingeflossen; die Interpretation ist meine eigene.

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